Den passenden Hund finden

Aus welchem Grund hast du genau diesen Hund, der dich nun durch dein Leben begleitet? Wieso diese Rasse, warum R├╝de oder H├╝ndin, wieso diese Farbe und weshalb der Charakter?

Hast du dir ├╝berhaupt gezielt Gedanken dazu gemacht und vor allem, wie f├╝hlst du dich nun mit deiner Entscheidung?

Ich habe k├╝rzlich die Aussage geh├Ârt, dass der Hund aufgrund seiner besonderen Farbe ausgew├Ąhlt wurde, denn er sollte in Deutschland etwas Einzigartiges sein und sich von der Masse deutlich abheben. Nun hat er sich f├╝r seine Besitzer zum Problemhund entwickelt, da er sehr urspr├╝nglich ist und sich schnell und kompromisslos Wege sucht, die selten mit den harmoniebed├╝rftigen Vorstellungen der Halter ├╝bereinstimmen. Urspr├╝nglich bedeutet hierbei, dass es Hunde gibt, die wenig oder keinen Z├╝chtungen unterliegen und teilweise noch frei, ganz ohne Menschen leben und ├╝berleben.

Desweiteren h├Ârte ich auch schon, dass der Hund unbedingt gro├č und imposant sein sollte, mit einem richtig dicken Kopf, damit es Eindruck macht. Leider stellten die sportlichen Eigent├╝mer sehr schnell fest, dass sich so ein Hund kaum zum gemeinsamen Fahrrad fahren oder joggen eignet und der Zeitaufwand sich nun verdoppelt hat. Solche Dinge passieren, sind zwat schade, aber meist findet sich eine L├Âsung.

Doch bevor auch du in diese Lage kommst, mach dir klare Gedanken, was du eigentlich m├Âchtest und ob deine Wahl des Hundes dazu geeignet ist.

ERFAHRUNGEN

Ich beschreibe dir nun meinen eigenen Weg, in dem ich Fehler gemacht habe, sowie gute Entscheidungen traf. Gerne m├Âchte ich dir manches ersparen und gewisse Entscheidungen erleichtern.

Ich pers├Ânlich habe┬á mir auch erst mit dem zweiten Hund einen gro├čen Wunsch erf├╝llt. Seit meiner Kindheit wollte ich einen schwarzen Sch├Ąferhund und der sollte Zeus hei├čen. Das hatte ich mal in einem Film gesehen und dann lie├č mich der Gedanke daran nie wieder los. Doch als ich mir dann mit 20 Jahren endlich einen eigenen Hund kaufen wollte, war ich aufgrund der Arbeit abh├Ąngig von der F├╝rsorge meiner Eltern f├╝r das neue Familienmitglied. Und die wollten keinen Hund, vor allem keinen gro├čen! Also ging ich Kompromisse ein und es wurde eine kleine Mischlingsdame, die so s├╝├č auf dem Foto aussah. Ratz Fatz zog sie bei uns ein und ist seit fast 13 Jahren unser kleiner Terrorkr├╝mel. Ja, genau das ist ihr Spitzname, denn sie liebt es zu bellen, hat Angst vor jedem Gewitter, f├Ąhrt ungern Auto und kann weder joggen noch Fahrrad fahren. Aber sonst macht sie keine Probleme.

Zehn Jahre sp├Ąter entschloss ich mich einen zweiten Hund, dieses Mal unabh├Ąngig und ganz nach meinen Vorstellungen zu kaufen. ├ťber folgende Punkte machte ich mir Gedanken:

  1. Ich m├Âchte die alleinige Bezugsperson des Hundes sein, dennoch soll er freundlich zu Menschen sein.
  2. Der Hund sollte mich ├╝berall begleiten:
    –┬áAuf Arbeit (Schule)
    –┬áBeim Sport
    –┬áAuf Reisen im Auto
    – In die Stadt
  3. Der Hund sollte wenig oder gar nicht bellen.
  4. Er sollte eine aktive Natur haben, aber dennoch ausgeglichen und ruhig sein und meiner alten H├╝ndin nicht auf den Nerv gehen.
  5. Er sollte nicht mehr als 30 kg wiegen, aufgrund meiner eigenen Statur, sowie der Futtermenge.

Bei dir k├Ânnen ganz andere Faktoren eine Rolle spielen, was jedoch nicht von Wichtigkeit sein sollte sind:

  1. Die Fellfarbe
  2. Andere Besonderheiten wie blaue Augen
  3. Prestigegedanken

Ich legte mich jedoch nicht auf eine bestimmte Rasse fest, ich grenzte nur die M├Âglichkeiten ein.

Am Ende standen Golden Doodle, Pudel, Arbeitslinie Labrador oder Australian Shepherd auf meiner Liste. Alle Rassen kannte ich durch Freunde und Bekannte, informierte mich ├╝ber ihr Wesen und vor allem telefonierte ich mit vielen Z├╝chtern, erkl├Ąrte meine Bed├╝rfnisse und schaute mir unterschiedliche Welpen an. H├Ârte ich schon den Rest des Rudels bei meinem Besuch bellen, durfte ich Elterntiere nicht sehen oder wuchsen die Welpen nur im Stall auf und kannten keine Alltagsger├Ąusche, die in meinem Leben normal sind, dann habe ich mich gegen diesen Wurf entschieden. Auf was ich nicht achtete, war die Farbe des Welpen oder das Geschlecht.

Gute Z├╝chter k├Ânnen ihre Hunde ab einem gewissen Alter sehr gut einsch├Ątzen und teilst du ihnen deine W├╝nsche mit, ist es oft m├Âglich dir den geeigneten Welpen zu vermitteln. Ob der dann schwarz, wei├č oder bunt ist, sollte nicht ausschlaggebend sein.

KOPF-HERZ-BAUCH

Bis zum Schluss verlie├č ich mich neben den rationalen Gedanken ebenso auf mein Bauchgef├╝hl. So zahlte ich beispielsweise einen Golden Doodle bereits an und verlor das Geld anschlie├čend, da ich aufgrund eines unguten Gef├╝hls zum Laufverhalten der Hunde R├╝cksprache mit einem Tierarzt hielt. Die Hunde waren f├╝r ihr angebliches Alter viel zu schlecht entwickelt, was auf ein zu junges Alter r├╝ckschlie├čen lie├č oder schlechte Haltung oder Ern├Ąhrung.

Als ich alle Varianten in der Umgebung ausgesch├Âpft hatte, jedoch nicht f├╝ndig wurde, erweiterte ich den Radius. Und nach vielen Besichtigungen und Telefonaten hatte ich meine Z├╝chterin am Apparat. Die Beschreibung des kleinen schwarzen Australian Shepherds klang vielversprechend. Der kleine schwarze Kerl war der letzte vom Wurf, 12 Wochen alt, bellt nie, man merkt ihn kaum und er kommt nur zum kuscheln. Er hat eine kurze Rute, einen natural Bobtail, was mir ├Ąsthetisch missfiel, aber sein Gesicht war bezaubernd. ┬áAlso ging es los, nach Ingolstadt zum 12 Wochen alten ÔÇ×Strawberry┬┤s Amazing MoonÔÇť (sein Name). Mama und Papa durfte ich sehen, sehr tolle Tiere, die mit im Haus lebten. Und da war er, alias Frodo, v├Âllig desinteressiert an mir, und verschwand nach kurzem anstupsen wieder im Garten. Das war er, genau so hatte ich mir das vorgestellt, keiner, der mich gleich anspringt und mir seine dreckigen Pfoten auf die Hose dr├╝ckt.

Dennoch fuhr ich nach dem Treffen erstmal eine Runde durch die Stadt und hatte sogar noch einen zweiten und dritten Termin in der Umgebung vereinbart. Ein Golden Doodle und noch ein schwarzer Aussi. Doch beide sagte ich ab und entschied mich f├╝r den kleinen Mann, mit kurzer Rute und dickem Puschelpo. Und das war die beste Wahl meines Lebens!

Im ersten Jahr mit ganz viel Ruhe erzogen, h├╝pfen wir nun sportlich gemeinsam durchs Leben. Ja, er h├╝pft immer, genau wie ich, wenn ich renne. Er hat sich genau zu dem Hund entwickelt, den ich in meiner Vorstellung hatte.

Wir sprechen wirklich eine Sprache und verstehen uns blind. Meine Nachbarn sagen, er sei der tollste Nachbar der Welt, man hat ihn noch nie bellen h├Âren und sogar der Postbote fragte mich, wie ich das gemacht h├Ątte. Ich glaube, dieser Hund ist zum Teil einfach so. Der beobachtet lieber als sich lautstark bemerkbar zu machen-ganz der Stratege. Zudem begleitet er mich in die Schule und zu jedem Termin, schl├Ąft immer bis ich aufstehe und geht niemandem auf den Nerv. Au├čerdem bin ich seine absolute Nummer eins. Doch hat er jemanden ins Herz geschlossen, d├╝rfen diejenigen auch alles mit ihm machen. Ganz wie ich es mir immer gew├╝nscht habe. Nur Zeus konnte ich ihn nicht nennen, das hat irgendwie nicht zu dem s├╝├čen Kuschelb├Ąren mit Professorenblick gepasst. Noch einmal ein herzliches Dankesch├Ân an Sabrina Kaml, die diesen tollen Wurf geplant und gro├čgezogen hat!

Ich liebe beide meine Hunde, doch ist die Verbindung zu Frodo eine ganz andere als die zu Tabby. Das muss ich ganz ehrlich zugeben.

Deshalb w├╝nsche ich dir auch deinen Herzenshund, den du mit Bedacht ausw├Ąhlen solltest, denn dann kann (fast) nichts schief gehen. Sind sich Kopf (dein Verstand), Herz (dein Gef├╝hl) und dein Bauch (Erfahrungen) einig, dann werdet ihr gl├╝cklich werden, fast wie in der menschlichen Partnerwahl. Und im besten Falle begleitest du deinen Hund ein ganzes Leben lang.

Deine Nancy

ÔÇ×Grenzen ├Âffnen Freir├ĄumeÔÇť