Dein Hund ist respektlos?

Grundlagen für ein respektvolles Miteinander:

Versucht man dem eigenen Hund doch seit langer Zeit zu vermitteln, er möge in jeder erdenklichen Lebenslage bei einem bleiben, scheint es zunächst widersprüchlich, plötzlich Abstand einzufordern. Zerstört das nicht die wochenlange Arbeit?

Es scheint auf den ersten Blick paradox, vom Hund situativ Entfernung einzufordern, ist jedoch einer der wichtigsten Bestandteile für eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung.

In Anlehnung an Anne Krügers „vertrauensvoller Nähe und höflicher Distanz“, möchte ich etwas Licht ins Dunkel bringen.

Im sozialen Miteinander existieren zwei Ebenen, zum einen die Bindungsebene und zum anderen der Gegenspieler, die Respektsebene. Was die meisten Hundeliebhaber sehr gut können, ist ganz viel Zuneigung schenken. Dadurch entsteht schnell ein Übermaß an Nähe bzw. Bindung, was sich zum Beispiel im permanenten Verfolgen durch die Wohnung auswirkt. Dieses Übermaß bewirkt eine Unausgewogenheit und veranlasst den Hund dazu, bei jeder Gelegenheit draußen das Gegenteil zu suchen, denn Nähe ist ja stets verfügbar.

Eine gute Beziehung entsteht aus der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz, denn beide  bedingen sich gegenseitig.

Das heißt, ohne das eine, kann das andere nicht dargestellt werden.  Die Nähe  wird nur dann zu etwas sehr Wertvollem, wenn man auch die Distanz schaffen kann. Höflich einen Raum zu öffnen, also auch mal einen Schritt zur Seite treten, ist unter uns Menschen ganz selbstverständlich und gleichermaßen unter Hunden.  Wir warten höflich bis alle Personen aus einem Fahrstuhl ausgestiegen sind, bevor wir ihn betreten. Wir drehen uns seitlich, um die Menschen herauszulassen und sehen sie dabei freundlich an. Ähnlich sollte es auch zwischen Mensch und Hund sein, doch fehlt den meisten Menschen dafür die Aufmerksamkeit. Man steigt über das Tier hinweg, wenn es im Durchgang liegt, öffnet den Geschirrspüler nur halb, damit der Hund nicht aus dem Weg gehen muss. Im Gegenteil, zeitweise wird so mancher auf dem Weg ins Bett sogar angeknurrt, wenn der Hund es sich dort bequem gemacht hat und gerne seine Ruhe möchte. Bildlich gesprochen, steht der Hund auf seinem Platz wie ein Türsteher vor der Disko und verwährt uns den Zugang. Und der Mensch gibt ihm oft recht und lässt sich seinen eigenen Raum dadurch nehmen. Ähnlich verhält es sich mit wildem Anspringen jeglicher Bezugspersonen oder gar zwicken als Reglementierung. Das ist nicht respektvoll.

Schickt man den Hund ab und zu auf Abstand und fordert höflich einen Raum ein, dann sollte er sich jederzeit darum bemühen, respektvoll zur Seite zu gehen.

Die Folge des Wechselspiels aus Nähe und Distanz, das nicht vom Hund bestimmt, sondern vom Menschen gefordert wird, ist ein aufmerksamer und respektvoller Begleiter.

Die Beziehung wird leichter, macht mehr Freude und ganz nebenbei geschieht noch etwas Wunderbares: Der Hund wird umso freudiger, wenn er zu dir zurückkommen darf. Die Nähe wird überall und jederzeit wieder wertvoll für ihn. Eine Umkehrpsychologie mit toller Wirkung!

Eure Nancy

Nancy Wendler Hundeschule & Hundetrainerin Dresden